kreuzberger dichtungswerk

Anne Lorquet, Corona krank. Tagebuch

Am Mittwoch 16.12 hat meine Krankheit angefangen

Weihnacht Corona

Merkwürdig, bis jetzt war es wie ein großer Krieg rund um uns. Und plötzlich ist er in mir, in uns, in unseren Körpern. Ohne, dass ich wirklich weiß, was das ist. Ein Schnupfen?

In Harmonie mit dem ganzen Planeten…

Es gibt nicht nur diese auszehrende Müdigkeit, wie ich noch keine solche gekannt habe. Die macht, dass ich die meiste Zeit im Bett verbringe und noch glücklich bin, wenn ich es schaffe, zu schlafen.

Aber ich bin auch verloren, ich erkenne meinen Arbeitsplatz nicht mehr. Ich finde nicht mehr den Ort, wo ich meine Zeitungen hinlege.

27.12

Mein Freund hat meine Zeitungen wieder gefunden!

Aber merkwürdig, wie fremd mir mein Arbeitsplatz geworden ist!

28.12

Schöne Überraschung an diesem Nachmittag: ich schlief ganz tief, als mich Uwe geweckt hat: Freunde haben ein Paket vor unsere Tür gestellt mit ganz viel guten Sachen aus den Galeries Lafayette.

29.12.

Ein Mann vom Gesundheitsamt hat mich angerufen, fragte mich, wie es mir geht.

Da mein Husten nicht mehr so stark ist, denkt er, dass meine Quarantäne am 1. oder 2. fertig sein kann.

Bin mit meinem Freund 2 Stockwerken hoch und runter gestiegen. Als Übung.

Bin immer extrem müde.

Meine Schwester hat mir so süße Fotos von ihrem Kater geschickt.

Habe es geschafft, einen Salat zu machen heute Abend.

30.12.

Geschafft, das Frühstück und die verschiedenen Tees vorzubereiten. Immer Schwierigkeiten, Objekte zu finden. Mit dieser Krankheit habe ich den Kontakt zu meiner Umgebung verloren.

31.12.

Habe gedacht, dass ich es ohne meinen Freund es nicht geschafft hätte. Ich hätte in ein Krankenhaus gehen müssen.

Als ich da lag, sind mir Bilder aus Reisen gekommen. Ich wusste nicht, woher. Bewohnte Inseln auf einem See. Es kam zurück. Aus Indien. Dann ganz viele Bilder aus Indien.

Jemand hat uns unsere Zeitung vor die Tür gelegt. (die sind sehr hilfsbereit in diesem Haus). Ich wusste nicht mehr, wie unser Briefkasten aussieht. Dann kam es wieder.

Viele Mails zum Neuen Jahr. Einen sehr schönen Film über Claude Monet gesehen.

01.01.21 neues Jahr…

Mails und Telefonate

02.01.21

So: erster Ausgang. Mit meinem Freund natürlich. Sind um den Häuserblock. Es ging.

Der Typ vom Gesundheitsamt hat wieder angerufen. Meine Quarantäne ist zu Ende, obwohl ich noch Atemschwierigkeiten habe. Und die Müdigkeit…

Sonntag 03.01.21

Ist immer noch die gute Form…

Aber ich habe es trotzdem geschafft, Kartoffeln und Eier zu kochen – am Anfang der Krankheit konnte ich nichts essen, nur ganz Flüssiges, dann hatte mein Freund die geniale Idee, Kartoffeln zu kochen und gab mir davon mit Butter und Hackfleisch, was für ein Genuss! – . Und den Schnellkochtopf musste ich suchen, aber dann doch wieder gefunden, wo er ist… es gibt noch ganz Viel, bei dem ich Schwierigkeiten habe, es wieder zu finden.

Heute hat es ein bisschen geschneit. Kleiner Spaziergang bis zum Ende der Straße. Aber meine Schuhe sind nass geworden. Wir müssen schnell wieder nach Hause, gegen den Wunsch meines Freunds.

04.01.

Etwas mehr geschafft heute. Zum Mittag den Sonntagsfisch wieder erwärmt.

Heut Morgen die Zeitung geholt – 3 Stockwerke nach unten und nach oben.

Also insgesamt besser. Aber Schmerzen in den Hüften. Und die Müdigkeit. Und immer noch Schwierigkeiten, Sachen zu finden.

05.01.

Ziemlich aktiv. Zeitung geholt.

Zum ersten Mal wieder am Schreibtisch geschrieben. Ein bisschen geräumt und Computer aufgemacht. Es geht.

Hoffentlich wird das nicht zu lange dauern. Schwieriges Atmen. Dicker Schnupfen noch. Und besonders diese extreme Müdigkeit.

Samstag 09.01.

Konvaleszenz? Ich schaffe es, mehr zu machen.

Ich habe es zu Fuß zum Hermannplatz geschafft. Der kleine Zoo ist geschlossen.

Sonntag 10.01.

Wir haben einen Spaziergang zum Gleisdreieck gemacht.

Einen Kalender für meine Tochter angefangen. Nicht leicht: entweder zu viele Fotos für einen Monat oder zu wenige.

Langsam geht es besser. Aber noch Müdigkeit.

11.01.

Der Kalender für meine Tochter ist fertig.

12.01.

Termin bei meiner Ärztin. Sie dachte, dass das Fieber diesen Einfluss auf mein Gedächtnis haben kann, und meinte, dass die Müdigkeit 2 bis 3 Monate dauern kann. Sie lässt mir gleich Blut abnehmen für eine Analyse.

Ich mache mir einen Salat mit Avocado.

So, ich höre auf mit diesem Corona-Tagebuch.

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