kreuzberger dichtungswerk

Kleine Charta (Zu den Kooperationsformen im kreuzberger dichtungswerk)

Kleine Charta

Entwurf

Charakter und Ziel der Werkstatt

  1. Das KDW ist eine Literaturwerkstatt. Im Mittelpunkt steht das Schreiben von Texten.
  2. Das Ziel der Literaturwerkstatt ist,
    • a. die einzelnen Schreibenden in ihrem Schreiben zu fördern;
    • b. Formen literarischer Kooperation und Präsentation sowie gemeinsamen literarischen Lernens zu entwickeln und umzusetzen;
    • c. und damit auch als Werkstatt erkennbar öffentlich in Erscheinung zu treten.
  3. Die Werkstatt ist für alle Genres des Schreibens offen, auch für solche, die außerhalb des im engeren Sinne literarischen (poetischen, kreativen) Schreibens liegen. Letzteres sollte aber weiterhin im Mittelpunkt der Werkstatt stehen.
  4. Dabei folgt die Werkstatt keinem spezifischen ästhetischen Programm. Sie nutzt aber die praktischen Erfahrungen und methodischen oder theoretischen Kenntnisse, die in der Werkstatt vorhanden sind, sofern ihr – bzw. den betreffenden einzelnen AutorInnen (siehe Punkt 7) – dies im Sinne der oben unter Punkt 2 benannten Ziele sinnvoll erscheint.

Zur Arbeitsweise der Werkstatt

  1. Die Mitglieder der Werkstatt fördern einander in ihrem Schreiben
    • a. indem sie die Texte der anderen Mitglieder lesen (oder, falls nicht möglich, aufmerksam hören);
    • b. sie mit den AutorInnen diskutieren;
    • c. Lesungen veranstalten, in denen sich die Texte vor einem Publikum bewähren können;
    • d. und die Publikation von Texten sowohl einzelner AutorInnen als auch der Werkstatt unterstützen.
  2.  Wichtige Elemente der Diskussion (Punkt 5.b) sind
    • a. die Schilderung des eigenen Erlebens beim Lesen und/oder Hören des Textes;
    • b. der Versuch der Lesenden/Hörenden, die Intention (das Potenzial, das Anliegen) des Textes zu verstehen und sich darauf einzulassen;
    • c. der Versuch der Lesenden/Hörenden, die eigene Leseerfahrung an bestimmten Stellen oder Merkmalen des Textes festzumachen, so dass der/die AutorIn daraus Anregun­gen für die konkrete Arbeit an ihren/seinen Texten gewinnen kann;
    • d. der Versuch der AutorInnen, die Lese-/Hörerfahrungen ihrer LeserInnen/HörerInnen zu respektieren und ihre Beobachtungen, Anliegen und Kriterien zu verstehen.
  3. Für ihre Texte sind die AutorInnen allein verantwortlich. Kritiken, Vorschläge usw. können nur den Charakter von Anregungen haben, nicht von Auflagen.

Zu den Lesungen

  1. Ziel der öffentlichen Lesungen (Punkt 5.c) ist es, eine möglichst lebendige Beziehung zwischen den ZuhörerInnen und den Texten sowie den Austausch zwischen Publikum und AutorInnen zu ermöglichen. Jede Lesung versucht, dem Anspruch ihres Publikums auf eine interessante und außerall­tägliche Veranstaltung gerecht zu werden. Jede Lesung tut dies auf andere, auf ihre Weise.
  2. Die Lesungen des KDW (Punkt 5.c) sind in aller Regel (Ausnahmen sind möglich, siehe Punkt 11) ein gemeinsames Produkt der gesamten Literaturwerkstatt. In ihnen stellt sich die Arbeit der einzelnen AutorInnen ebenso dar wie die gemeinsame Arbeit der Werkstatt daran, dass (im Sinne von Punkt 8) „interessante“ Lesungen zustande kommen.
  3. Über Motti, Textauswahl, Dramaturgie und Bewerbung der KDW-Lesungen entscheidet daher die Werkstatt – im besten Fall durch Konsens, notfalls durch Mehrheitsbeschluss. Im Falle von Stimmgleichheit entscheidet die Autorin/der Autor.
  4. In bestimmten Fällen kann es auch sinnvoll sein, dass die Gesamtwerkstatt die Lesungsge­staltung an eine Teilgruppe oder eine*n einzelne*n Autor*in delegiert.


Mitgliedschaft

  1. Mitarbeitende der Werkstatt können alle werden, die bereit sind, im Sinne der Punkte 1 bis 11 kontinuierlich (d.h. vor allem: gemäß getroffenen Vereinbarungen) mitzuwirken.
  2. Ein formelles Aufnahmeverfahren existiert nicht. Nach einer gewissen Zeit der Zusam­menarbeit entscheidet die Werkstatt (möglichst im Konsens, notfalls durch Mehrheitsbeschluss), ob die Zusammenarbeit im Sinne der Punkte 1 bis 11 funktioniert und für die Beteiligten sowie den Werkstattprozess förderlich ist.
  3. Die Werkstatt ist prinzipiell offen für InteressentInnen, die selber nicht schreiben, aber – über das Zuhören und die Teilnahme am Publikumsgespräch bei den öffentlichen Lesungen hinaus – sich an ihrer Arbeit beteiligen wollen (z.B. als KünstlerInnen anderer Sparten, als RechercheurInnen, als Mitdiskutierende).
  4. Für diese InteressentInnen öffnet die Werkstatt einen bestimmten Teil ihrer Arbeitstreffen und lädt sie, im Falle kontinuierlicher Teilnahme, dazu ein. Sie beteiligt sie, wo dies sinnvoll ist, auch als Mitwirkende an ihren Lesungen.

März 2017
(Geringfügige) Änderung des Entwurfs: April 2020

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